GKV-Spargesetz gefährdet ambulante Versorgung

31. Mai 2026

Pressemitteilung des

Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen e. V.




27 Verbände schlagen Alarm: GKV-Spargesetz gefährdet ambulante Versorgung in Hessen


Frankfurt a. M., 27. Mai 2026 - Bei einem Pressegespräch in Frankfurt haben 27 Verbände der hausärztlichen, kinderärztlichen, fachärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung das geplante GKV-Spargesetz scharf kritisiert. Sie warnen vor längeren Wartezeiten, weniger Terminen und einer Schwächung wohnortnaher Versorgung.


Die ambulante Versorgung in Hessen schlägt gemeinsam Alarm.

27 hausärztliche, kinderärztliche, fachärztliche und psychotherapeutische Verbände wenden sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Bundesregierung. Das Gesetz setze einseitig auf kurzfristige Kostendämpfung in der ambulanten Versorgung – und gefährde damit aus Sicht der unterzeichnenden Organisationen genau jene Strukturen, die Patientinnen und Patienten wohnortnah, koordiniert und verlässlich versorgen.


„Dieses Gesetz trifft nicht irgendeine abstrakte Struktur, sondern die Versorgung vor Ort“, sagt Christian Sommerbrodt, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen. „Wenn Praxen wirtschaftlich geschwächt werden, hat das Folgen: weniger Kapazitäten, längere Wartezeiten und am Ende weniger Zeit für Patientinnen und Patienten. Wer Versorgung sichern will, darf die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem nicht schwächen.“


Bei einem Pressegespräch in Frankfurt machten die beteiligten Verbände deutlich: Die geplanten Einschnitte seien keine abstrakten Sparmaßnahmen, sondern könnten für Patientinnen und Patienten konkret spürbar werden – durch längere Wartezeiten, reduzierte Sprechstundenkapazitäten und wegfallende Leistungsangebote.


Kürzungen treffen Praxen in angespannter Lage

Nach Berechnungen, auf die sich die Verbände beziehen, droht der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung eine direkte Vergütungskürzung von 2,41 Milliarden Euro. Im Schnitt entspreche das einem Minus von rund fünf Prozent gegenüber 2025 und etwa 24.000 Euro pro Praxis und Jahr. Für Haus- und Kinderarztpraxen werden Einbußen von rund 9.000 Euro pro Jahr genannt; einzelne Fachgruppen wären deutlich stärker betroffen.


„Die fachärztliche Versorgung ist ein tragender Pfeiler der ambulanten Medizin“, sagt Jan Henniger, niedergelassener Chirurg und Vorsitzender des Hessischen Chirurgenverbandes. „Wer hier pauschal kürzt und gleichzeitig Ambulantisierung politisch einfordert, sendet ein fatales Signal. Ambulante Operationen, schnelle fachärztliche Abklärung und wohnortnahe Behandlung brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – sonst verschiebt sich Versorgung dorthin, wo sie für das System oft teurer wird.“


Aus Sicht der Verbände trifft das Gesetz damit ausgerechnet einen Bereich, der bereits heute an seine Grenzen kommt. Die ambulante Versorgung wachse langsamer als andere Ausgabenbereiche der gesetzlichen Krankenversicherung, solle aber einen besonders großen Anteil der Einsparungen tragen. In der gemeinsamen Erklärung heißt es, die ambulante ärztliche Behandlung mache 16 Prozent der GKV-Leistungsausgaben aus, während der Krankenhausbereich mit 33,1 Prozent der größte Ausgabenblock sei.


Kinder- und Jugendmedizin: „Diese Regierung spart an unserer Zukunft“

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen kritisiert die geplanten Einschnitte scharf und verweist auf die UN-Kinderrechtskonvention: „Kinder haben ein Recht auf die bestmögliche medizinische Versorgung – nicht nur auf eine angemessene und notwendige Versorgung“, sagt Burkhard Voigt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen. „Dieses Sparprogramm gefährdet die ausreichende kinder- und jugendmedizinische Versorgung. Eine faktische Wiedereinführung der Budgetierung, verbunden mit einer monetären Bestrafung derjenigen, die mehr leisten können als der Durchschnitt, ist eine Farce. Diese Regierung spart am falschen Ende: an unserer Zukunft, an unseren Kindern.“


Psychotherapeutische Versorgung: Sorge um Kinder und Jugendliche

Besonders kritisch sehen die Verbände auch die geplanten Einschnitte in der psychotherapeutischen Versorgung. Nach der gemeinsamen Erklärung soll Psychotherapie budgetiert werden, was zu realen Einschnitten der psychotherapeutischen Versorgung führen wird.

„Psychotherapie muss weiterhin extrabudgetär vergütet werden“, erklärt Dipl.-Psych. Stephanie Hild-Steimecke, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung Hessen. „Andernfalls drohen Einschnitte von bis zu einem Viertel der Behandlungsplätze. Gleichzeitig werden Zugänge erschwert und kurzfristige Hilfen durch den Wegfall der Kurzzeittherapie geschwächt. Besonders betroffen sind Menschen in belastenden Lebenssituationen – darunter viele Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Einsparungen in der Psychotherapie führen zu Chronifizierung, mehr Schul- und Arbeitsausfällen sowie steigenden Krankenhausaufenthalten. Die Folgekosten trägt letztlich die gesamte Gesellschaft.“


Hessen: Viele Praxen stehen vor dem Generationenwechsel

Besonders brisant ist die Lage in Hessen auch mit Blick auf die Altersstruktur. Nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sind in der hausärztlichen Versorgung 34,3 Prozent der Ärztinnen und Ärzte über 60 Jahre alt, 16,3 Prozent über 65 Jahre. Ein ähnliches Altersprofil zeigt sich bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte liegt bei 54,86 Jahren, bei Psychotherapeuten bei 49 Jahren.

Die KVH-Daten zeigen zudem, wie verletzlich die Versorgung in vielen Regionen bereits heute wäre: Würden alle über 60-jährigen Hausärztinnen und Hausärzte sofort ausscheiden, lägen 48 hausärztliche Planungsbereiche unter dem kritischen Schwellenwert von 75 Prozent. Besonders niedrige Versorgungsgrade weist das Szenario unter anderem für Heringen, Schlüchtern, Rüdesheim/Geisenheim, Homberg und Schwalmstadt aus.

Vor diesem Hintergrund warnen die Verbände davor, die Niederlassung und den Erhalt ambulanter Praxen weiter unattraktiver zu machen. Wer die ambulante Versorgung finanziell ausdünne, gefährde die wohnortnahe Versorgung zuerst dort, wo die Lage ohnehin angespannt sei: in ländlichen Regionen und strukturschwächeren Gebieten.


27 Verbände, ein gemeinsames Signal

Bemerkenswert ist die Breite des Bündnisses: 27 Organisationen der ambulanten Versorgung in Hessen haben die gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Sie repräsentieren hausärztliche, kinderärztliche, fachärztliche und psychotherapeutische Perspektiven in einem Versorgungsbereich, der nach KVH-Daten in Hessen insgesamt 14.360 Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeut*innen umfasst.

„Hausärztliche, fachärztliche und psychotherapeutische Versorgung sind keine Konkurrenten, sondern aufeinander angewiesene Teile eines Systems“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. „Wer diesen Bereich schwächt, gefährdet Versorgung.“


Kritik auch am Verfahren

Scharfe Kritik üben die Verbände nicht nur am Inhalt, sondern auch am Verfahren. Der Referentenentwurf sei den Verbänden und der Selbstverwaltung an einem Donnerstagabend zugegangen, mit einer Stellungnahmefrist bis Montagmorgen um 9 Uhr. In der gemeinsamen Erklärung werten die Unterzeichner dies als bewusste Verhinderung eines ernsthaften Dialogs mit denjenigen, die die Versorgung täglich sicherstellen.

Die Verbände fordern die hessische Landespolitik sowie die hessischen Bundestagsabgeordneten auf, sich für substanzielle Nachbesserungen einzusetzen. Dazu zählen unter anderem der Verzicht auf pauschale Kürzungen der ärztlichen und psychotherapeutischen Gesamtvergütung, der Erhalt von Steuerungsinstrumenten wie Terminservicestellen, offenen Sprechstunden und Kurzzeitpsychotherapie sowie eine stärkere Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen.

„Wer heute ambulante Strukturen schwächt, produziert morgen höhere Kosten“, heißt es in der Erklärung. „Wer bei Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten kürzt, schwächt die Versorgung insgesamt.“


Breites Bündnis der ambulanten Versorgung in Hessen

Die gemeinsame Erklärung wird von 27 hausärztlichen, kinderärztlichen, fachärztlichen und psychotherapeutischen Berufsverbänden in Hessen getragen. Zu den beteiligten Organisationen gehören:


Hausärztliche und kinderärztliche Versorgung
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen; 
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen Hessen.


Fachärztliche Versorgung
Hessischer Chirurgenverband; 
Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte Hessen; 
Berufsverband der Internistinnen und Internisten Hessen; 
Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte Hessen; 
Berufsverband der Dermatologen; 
Berufsverband der Anästhesisten;
Berufsverband Nuklearmedizin Hessen; 
Berufsverband der Deutschen Urologie LV Hessen; 
Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen; 
Berufsverband der Deutschen Chirurgie Hessen; 
Berufsverband der Gastroenterologie; 
Berufsverband der Deutschen Radiologie Hessen; 
Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie;
Nephrologischer Regionalverbund Hessen e. V.; 
Berufsverband deutscher Nervenärzte Hessen; 
Berufsverband der niedergelassenen Kardiologen; 
Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin; 
Berufsverband der Augenärzte Hessen; 
Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.


Psychotherapeutische Versorgung
DPtV - Deutsche PsychotherapeutenVereinigung Hessen; 
DGPT - Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie Hessen; 
VAKJP- Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Hessen; 
DGPM - Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie;
bvvp - Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten Hessen; 
bkj – Bundesverband für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Hessen.


Downloads

gemeinsame Erklärung

Kurzfassung

Tabellen/Zahlen zur Versorgung

 

Kontakt für Rückfragen und Interviewanfragen
Gundula Zeitz, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen e. V. 
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presse@haev-hessen.de
T
elefon: 0171 8132671


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https://www.hausarztpraxen-retten.de/


von Dominique Maurice Begemann 31. Mai 2026
Viele Menschen möchten sich verständlicherweise nicht mit Gesundheitspolitik beschäftigen, wenn sie krank sind oder Hilfe benötigen. Dafür haben wir großes Verständnis. Dennoch betreffen politische Entscheidungen die medizinische Versorgung inzwischen unmittelbar im Praxisalltag – und damit auch die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen deutlich: Patientinnen und Patienten können bei diesen politischen Entscheidungen nicht länger außen vor gelassen werden. Denn die Folgen von Sparmaßnahmen zeigen sich nicht abstrakt in Zahlen oder Gesetzestexten, sondern ganz konkret im Alltag – bei Wartezeiten, Terminvergaben, der Verfügbarkeit von Leistungen und der Belastung der Praxisteams. Die Diskussionen um die Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens haben in den vergangenen Wochen deutlich an Schärfe gewonnen. Mit den akutellen Heilsversprechen, Geldverschiebungen und zu kurz gedachten Spar-Paketen wird sich nichts verbessern lassen. Denn die tatsächlichen Reformen fehlen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt inzwischen offen davor, dass die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung spürbare Auswirkungen auf die ambulante Versorgung haben werden – also genau auf die Versorgung, die tagtäglich in Hausarztpraxen, Facharztpraxen und psychotherapeutischen Praxen, bei Therapeuten und in Apotheken stattfindet. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnten bereits im kommenden Jahr rund 46 Millionen Behandlungsfälle entfallen, weil die Finanzierung dafür nicht mehr ausreichen würde. Gleichzeitig sollen die Praxen weiterhin immer mehr Aufgaben übernehmen: längere Öffnungszeiten, Digitalisierung, Steuerung von Patientenströmen und zusätzliche organisatorische Anforderungen. Die deutliche Botschaft der KBV lautet: Wenn die gesetzlichen Krankenkassen künftig nur noch das ausgeben dürfen, was eingenommen wird, dann betrifft das zwangsläufig auch die Arztpraxen. Leistungen, für die keine ausreichende Finanzierung vorgesehen ist, können langfristig nicht unbegrenzt erbracht werden. Das bedeutet konkret: weniger finanzielle Spielräume für Praxen, steigender wirtschaftlicher Druck, mehr Bürokratie bei gleichzeitig wachsendem Versorgungsbedarf, und die Gefahr, dass Leistungen eingeschränkt oder Wartezeiten noch länger werden. Was bedeutet das für Hausarztpraxen? Hausarztpraxen sind oft die erste Anlaufstelle für medizinische Fragen, akute Erkrankungen und die langfristige Betreuung chronisch kranker Menschen. Gleichzeitig steigt seit Jahren die Zahl älterer und mehrfach erkrankter Patientinnen und Patienten, während absehbar auch immer mehr Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, in Rente gehen. Der Aufwand in den Praxen nimmt kontinuierlich zu. Auch Arztpraxen sind Wirtschaftsunternehmen. Sie beschäftigen Mitarbeitende, zahlen Mieten, Energie, Versicherungen und investieren in Technik sowie Digitalisierung. Gleichzeitig wird der ambulante Bereich zunehmend planwirtschaftlich gesteuert: Es wird vorgegeben, welche (teilweise auch sinnlosen und nicht evidenten) Leistungen erbracht werden sollen, während die Finanzierung dafür immer weiter begrenzt wird. Hinzu kommt: Auch die Praxen selbst möchten keine Entwicklung, bei der immer mehr Patientinnen und Patienten in immer kürzerer Zeit behandelt werden müssen. Gute Medizin braucht Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit. Medizinische Entscheidungen lassen sich nicht beliebig beschleunigen, ohne dass die Qualität der Versorgung darunter leidet. Wenn Zeit für Gespräche, Untersuchungen und sorgfältige Abwägungen fehlt, steigt zwangsläufig die Gefahr von Fehlern, Missverständnissen und Unzufriedenheit – auf Seiten der Patientinnen und Patienten ebenso wie bei den Praxisteams. In keiner anderen Branche würde erwartet werden, dass dauerhaft mehr gearbeitet und gleichzeitig weniger bezahlt wird. Genau diese Einschnitte treffen aktuell schon psychotherapeutische Praxen, die ebenfalls mit Honorarkürzungen und steigenden Anforderungen konfrontiert sind. Welcher Bäcker gibt ihnen zehn Brötchen, wenn Sie ihm nur sieben bezahlen? Gesundheitsversorgung als Teil der Daseinsvorsorge Stellen Sie sich vor, Ihre örtliche Feuerwehr würde nur dann bezahlt, wenn es bei Ihnen lichterloh brennt. Kein Feuer? Kein Geld. Oder die Polizei: Die Beamten erhielten ihr Gehalt ausschließlich pro aufgeklärtem Verbrechen. Klingt absurd? In der Welt der öffentlichen Sicherheit ist das undenkbar, denn wir bezahlen diese Dienste dafür, dass sie da sind, wenn es brennt – nicht dafür, dass es brennen muss, damit sie überleben. Doch genau dieses „Absurditätsszenario“ ist im deutschen Gesundheitswesen in weiten Teilen Realität. Daseinsvorsorge bedeutet, dass der Staat sicherstellt, dass grundlegende Güter und Leistungen für alle Bürger verfügbar sind – unabhängig vom Geldbeutel. Dazu gehören: Wasser und Energie Öffentlicher Nahverkehr Sicherheit (Polizei/Feuerwehr) Gesundheit Gesundheit ist kein Luxusgut, sondern die Basis für ein funktionierendes Leben und eine stabile Gesellschaft. Ohne ein verlässliches Krankenhaussystem, eine flächendeckende hausärztliche, therapeutische und pharmazeutische Versorgung bricht das soziale Gefüge zusammen. Der Systemfehler: Vorhaltung vs. Leistung Während wir bei der Polizei und Feuerwehr die Vorhaltung finanzieren , finanzieren wir im Gesundheitswesen primär die Leistungserbringung . Durch das System der Fallpauschalen (DRGs) im Krankenhaus oder die Abrechnung einzelner Ziffern in der Arztpraxis entsteht ein seltsames Paradoxon: Ein Krankenhaus, das Betten für Notfälle leer hält (was im Sinne der Daseinsvorsorge klug ist), macht ökonomisch Verlust. Es wird erst belohnt, wenn der „Brand“ (die Krankheit) eintritt und behandelt wird. Im Gesundheitswesen führt die reine Leistungsbezahlung dazu, dass Quantität oft über Qualität und Prävention siegt. Wir müssen Gesundheit wieder stärker als echte Daseinsvorsorge begreifen. Das bedeutet nicht, die Leistung komplett zu ignorieren, aber wir müssen die Strukturen a bsichern. Wenn wir Gesundheit als reines Geschäft behandeln, riskieren wir, dass die Versorgung dort verschwindet, wo sie sich nicht „rechnet“. Es wird Zeit, dass wir den Wert der bloßen Anwesenheit von Hilfe wiedererkennen – bevor es bei uns brennt und keiner mehr da ist, der löschen darf. Die Bedeutung der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die hausarztzentrierte Versorgung zunehmend an Bedeutung. Hausarztpraxen sind häufig die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Beschwerden und begleiten Menschen oft über viele Jahre hinweg. Eine starke hausärztliche Versorgung bedeutet: bessere Koordination medizinischer Behandlungen, weniger unnötige Doppeluntersuchungen, schnellere Orientierung im Gesundheitssystem, frühzeitiges Erkennen von Erkrankungen, und eine kontinuierliche Betreuung mit Kenntnis der persönlichen Krankengeschichte. Die hausarztzentrierte Versorgung stärkt nicht nur die Beziehung zwischen Patient und Praxis, sondern trägt dazu bei, das Gesundheitssystem insgesamt effizienter und stabiler zu gestalten. Wenn Hausarztpraxen ausreichend unterstützt werden, profitieren letztlich alle Beteiligten: Patientinnen und Patienten, Facharztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Dafür braucht es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine realistische Finanzierung und die Anerkennung der zentralen Rolle, die Hausarztpraxen für die medizinische Versorgung in Deutschland übernehmen. Die ambulante Versorgung in Deutschland trägt einen Großteil der medizinischen Betreuung – wohnortnah, niedrigschwellig und vergleichsweise sehr kosteneffizient. Gerade deshalb ist es wichtig, diese Strukturen nicht weiter zu schwächen. Unser Anspruch bleibt bestehen Trotz aller Herausforderungen setzen wir uns weiterhin täglich mit großem Engagement für Ihre Versorgung ein. Unser gesamtes Praxisteam arbeitet daran, medizinische Betreuung menschlich, sorgfältig und erreichbar zu gestalten. Wenn es dennoch zu Wartezeiten oder organisatorischen Einschränkungen kommt, bitten wir Sie um Verständnis. Hinter vielen Abläufen stehen mittlerweile Anforderungen, die von außen oft kaum sichtbar sind. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Praxis und Pati entinnen und Patienten ist. Ihre Geduld, Ihr Verständnis und der respektvolle Umgang miteinander helfen uns sehr, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin für Sie da zu sein.
von Dominique Maurice Begemann 31. Mai 2026
Der „Quick Fix“ für ein System im Burnout:  Zwischen DiGA-Hype und Influencer-Quacksalberei
von Dominique Maurice Begemann 20. Februar 2026
Und warum Sie an Ihrem Küchentisch besser untersucht sind als in der Arztpraxis. Das können Sie in folgendem kurzen Artikel des Instituts für hausärztliche Fortbildung lesen. https://aerzte.ihf-fortbildung.de/news/hier-ist-er-immer-hoeher-warum-der-wichtigste-blutdruck-gar-nicht-in-der-praxis-gemessen-wird/ Sollte Sie der Vergleich mit dem Plakat und dem Film verwirren: wenn man viele Bilder (=Blutdruckmessungen) aneinanderreiht entsteht ein Film. Den möchten wir in der Praxis sehen. In ihrem Notizbuch. Eine einzelne Messung in der Praxis entspricht dem Filmplakat. Und das reicht nicht um zu sagen, wie gut der Film ist.
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